Die vergangenen Wochen haben uns einmal mehr gezeigt, warum unsere Arbeit in Fortaleza so wichtig ist.
Im Januar begann für unsere Kinder das neue Schuljahr, wobei der Unterricht erst nach den großen Ferien im Februar startete. Für viele Familien wäre der Schulstart ohne Hilfe kaum möglich gewesen. Gemeinsam mit unserem Team vor Ort wurden Schulmaterialien, Rucksäcke und die Schulkleidung organisiert, sortiert und an die Kinder verteilt. Ende Januar kamen die Familien erstmals im neuen Jahr zusammen – ein Moment voller Freude, Austausch und Gemeinschaft.
Seit Februar besuchen unsere Kinder wieder regelmäßig die Schule. Gleichzeitig begleiten wir sie mit zusätzlicher Hausaufgabenbetreuung und persönlichen Gesprächen. Besonders Mathematik bleibt für viele eine große Herausforderung.
Die Realität in Fortaleza bleibt schwierig. Kriminalität und Gewalt prägen weiterhin den Alltag vieler Familien.
Jugendliche geraten schnell unter den Einfluss krimineller Gruppen und verlieren den Anschluss an Schule und Familie. Gerade deshalb ist das Haus der Kinderhilfe Fortaleza für viele Kinder ein geschützter Ort geworden – ein Ort mit Struktur, Aufmerksamkeit und Vertrauen.
Besonders bewegt hat uns in den vergangenen Wochen der Ausbau unserer psychologischen und sozialpädagogischen Arbeit mit diversen Workshops. Unsere Psychologin Ana Clara, die selbst in der Favela groß geworden ist, hat gemeinsam mit den Familien festgestellt, wie groß der Bedarf an mentaler und emotionaler Unterstützung inzwischen ist – nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei den Eltern.
Viele Mütter und Väter wünschen sich vor allem eines: gehört zu werden.
Deshalb haben wir entschieden, 2026 ein neues Projekt in unser Programm zu integrieren mit dem Titel:
„Aprender Também é Cuidar“ – „Lernen bedeutet auch, sich zu kümmern“.
Im Mittelpunkt stehen Themen wie mentale Gesundheit, Selbstwertgefühl, Freundschaft, Verantwortung, Zugehörigkeit und familiärer Zusammenhalt. Wir planen regelmäßige Treffen mit Kindern und Eltern, mit Gesprächsrunden, gemeinsamen Aktivitäten und praktischer Unterstützung für den Familienalltag.
Besonders bemerkenswert ist, dass unsere Psychologin Ana Clara die Anzahl der Workshops deutlich erhöhen wird, ohne dass zusätzliche Kosten entstehen. Ihr Engagement zeigt, wie sehr die Menschen vor Ort an die Kinder und Familien glauben.
Gleichzeitig stehen wir auch vor großen Herausforderungen.
Das Dach eines unserer Unterrichtsräume im Haus der Ki wurde durch einen Wasserschaden beschädigt. Aus Sicherheitsgründen mussten wir Teile der Hausaufgabenbetreuung aussetzen. Für die notwendigen Reparaturen benötigen wir dringend zusätzliche finanzielle und handwerkliche Unterstützung.
Auch gesundheitlich war der Jahresbeginn schwierig: Viele Kinder litten unter Virusinfektionen. Hinzu kamen Fälle von Läusen und Wurmerkrankungen, für die Medikamente organisiert werden mussten.
Und dennoch spüren wir vor Ort vor allem eines: Hoffnung.
Im März und April fanden zahlreiche gemeinsame Aktivitäten statt: vom Leseprojekt über Aktivitäten zum Internationalen Frauentag und zum Weltwassertag bis hin zu einem Zirkusprojekt und einer Osterfeier mit Theaterstücken, Essen und vielen strahlenden Kinderaugen.
Aktuell arbeiten wir an einer neuen Partnerschaft mit einer brasilianischen Organisation, die uns künftig Räume für unsere psychologischen Workshops und Familienprogramme zur Verfügung stellen könnte.
Ein weiteres Herzensprojekt ist der Aufbau eines kleinen Musikprogramms für die Kinder. Geplant sind Gitarren, Ukulelen und Percussion-Instrumente, damit die Kinder Musik entdecken, gemeinsam lernen und kreativ wachsen können. Von diesem Projekt in Zusammenarbeit mit The Frequency School hatten wir bereits berichtet.